Seminar „Menschenrechte von Homosexuellen oder Lifestyle Homosexualität?“
„Menschenrechte von Homosexuellen oder Lifestyle Homosexualität?“ –
unter diesem Titel veranstaltete die Queer Initiative der Stipendiaten der Friedrich-Naumann-Stiftung für die
Freiheit zusammen mit der Initiative Queer Nations ein Seminar in der
Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach. Mitinitiator war der FDPBundestagsabgeordnete
Michael Kauch.
Vom Freitag, den 27.3., bis Sonntag, den 29.3. gingen die Referenten und
Teilnehmer den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auf den Grund, die
dazu führen, dass in einigen Ländern Homosexuelle verfolgt, in anderen
gleichgestellt werden.
Der Frage, ob marktwirtschaftliche Systeme eine Verbesserung der
Menschenrechtssituation Homosexueller begünstigen, gingen die Referenten
Jan Feddersen (Queer Nations) und Dr. Wolfgang Boger (Liberales Institut)
nach. Jan Feddersen konzentrierte sich auf die Entwicklung von
Individualismus im Zuge der Industrialisierung von Gesellschaften. Dr.
Wolfgang Boger zeigte mit einer empirischen Länderanalyse, dass es einen
Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Freiheit und Rechten für
Homosexuelle gibt. Marktwirtschaft sei zwar kein Garant, aber notwendige
Bedingung für die Gleichstellung Homosexueller. Nur ein einziges Land mit
geringer wirtschaftlicher Freiheit hat positive Rechte für Homosexuelle
geschaffen (Argentinien). Umgekehrt wird insbesondere in einer modernen
Ökonomie, in der Kreativität eine besondere Rolle spielt, eine tolerante und
weltoffene Gesellschaft zum Standortfaktor, wie Dr. Daniel Dettling
(Berlinpolis) in seinem Vortrag betonte.
Die besonders schlechte Menschenrechtssituation für Schwule in Afrika
begründete Nigel Crawhall aus Südafrika mit der Tatsache, dass außerhalb
der Städte vielfach nicht kapitalistisches, sondern traditionell agrarisches
Wirtschaften vorherrscht. Diese Gesellschaften brauchen die heterosexuelle
Reproduktion als Grundpfeiler des Arbeitskräftebedarfs der Familien. Er
empfahl den Lesben und Schwulen in Afrika, ihre Situation über Lobbying bei
den Vereinten Nationen zu verbessern – so, wie es andere Minderheiten
(etwa indigene Völker) in Afrika bereits getan haben.
Im Fokus stand außerdem die Entwicklung in Deutschland. Der Historiker
Andreas Pretzel von der Magnus Hirschfeld Gesellschaft erhellte
insbesondere die dunklen 50er Jahre mit ihrer Schwulenverfolgung. Nicht
zuletzt der Einfluss katholischer Vorfeldorganisationen und der Wunsch nach
„Sitte und Moral“ nach dem Nationalsozialismus habe die massive
strafrechtliche Verfolgung Homosexueller ausgelöst. Manfred Bruns vom
LSVD thematisierte die Hintergründe der sich wandelnden Rechtssprechung
des Bundesverfassungsgerichts.
Auf die Rolle der Religionen ging der evangelische Theologe Jürgen Wandel
(Zeitschrift „Zeitzeichen“) und Dr. Andreas Hieronymus (Institut für
Migrations- du Rassismusforschung Hamburg) ein. Jürgen Wandel skizzierte
den unterschiedlichen Umgang der evangelischen Landeskirchen mit
eingetragenen Lebenspartnerschaften und betonte, dass die Entwicklung der
vergangenen 30 Jahre einer Revolution gleiche vor dem Hintergrund der
2000jährigen homophoben Tradition der Kirche. Dr. Andreas Hieronymus
ging insbesondere auf den Umgang mit Homosexualität in der Türkei und die
Sicht des Islams ein.
Fazit des Seminars: Sowohl die marktwirtschaftliche Ordnung als auch eine
weniger fundamentalistische Interpretation von Religionen begünstigt die
Menschenrechtslage Homosexueller.
